Overthinking (übermäßiges Nachdenken, pathologisches Grübeln)

Grübelnde Frau mit einer Vielzahl an Linien, die ihren Kopf teilweise verdecken
Frauen sind von dem Phänomen häufiger betroffen als Männer.
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Overthinking bedeutet wortwörtlich "Überdenken" und meint ständiges Grübeln, endloses Gedankenkreisen sowie das wiederholte Wälzen von Problemen. Typisch für das Versinken in Gedanken ist, dass es sich dabei um teils unrealistische Situationen in der Zukunft handelt und dass eine Lösung des Problems oft ausbleibt.

Medizinische Expertise

Karina Ortner

Mag.a Karina Ortner

Klinische Psychologin & Gesundheitspsychologin
Fasangasse 30/10, 1030 Wien
karina-ortner.at
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Sich Gedanken über etwas machen, das einen beschäftigt, ist völlig normal und sogar nützlich. Overthinking hat jedoch einen destruktiven Charakter. Kreisen die Gedanken andauernd um ein Problem oder eine Situation, kann das als sehr belastend und anstrengend empfunden werden und das alltägliche Leben einschränken. 

Mit den meist negativ behafteten Gedankenspiralen gehen oftmals Beschwerden wie Schlafprobleme bis hin zu sozialem Rückzug einher. Overthinking ist keine eigenständige psychische Erkrankung, jedoch kann das übermäßige Sorgen im Zusammenhang mit Burn-Out, Depression oder Zwangs- und Angststörungen stehen.

Zusammenfassung

  • Overthinking bedeutet übermäßiges, wiederholtes negatives Denken bzw. Nachdenken über Sorgen und Ängste und hat meist einen pessimistischen, unproduktiven Charakter.
  • Schlafstörungen, Entscheidungsunfähigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten zählen u.a. zu den Symptomen. 
  • Die Auslöser reichen von der persönlichen Neigung zu analytischem Denken oder Perfektionismus bis hin zu Trauma.
  • Das ständige Grübeln kann zur psychischen Belastung werden.
  • Ein Realitätscheck oder Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen. 
  • Auch stehen psychotherapeutische Ansätze zur Verfügung. Diese sollten besonders dann in Anspruch genommen werden, wenn das Grübeln als Belastung wahrgenommen wird und die Psyche darunter leidet.

Overthinking im Überblick

Art Psychologisches Syndrom bzw. Symptom, Repetitives Negatives Denken (RND)
Ursachen u.a. Neigung zu analytischem Denken, Perfektionismus, negative Erfahrung, Angst, Unsicherheit, Trauma
Begleitsymptome u.a. Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Unzufriedenheit, depressive Verstimmung
Diagnose Anamnese, Gespräch
Behandlung Mentales Training, Psychotherapie

FAQ (Häufige Fragen)

Was versteht man unter Overthinking?

Overthinking beschreibt das exzessive, unproduktive Nachdenken über Probleme, Sorgen und Ängste. Umgangssprachlich ist es als Gedankenkarussell bzw. Gedankenkreisen bekannt.

Wie verhält sich ein Overthinker?

Der Betroffen:e macht sich meist zu viele Sorgen macht oder sieht Probleme, wo gar keine sind. Bezeichnend ist jedoch auch, dass dies meist gegen den Willen des Betroffen:en geschieht und dieser das Gedankenkreisen als störend empfindet.

Ist Overthinking eine psychische Erkrankung?

Overthinking ist keine eigenständige psychische Erkrankung, jedoch kann das übermäßige Sorgen im Zusammenhang mit Burn-Out, Depression oder Zwangs- und Angststörungen stehen.

Geprägt wurde der Begriff "Overthinking" im Jahr 2003 von der Psychologin Susan Nolen-Hoeksema, die die Neigung zu diesem Phänomen vor allem Frauen zuschrieb.

Overthinking beschreibt das exzessive, unproduktive Nachdenken über Probleme, Sorgen und Ängste. Umgangssprachlich ist es als Gedankenkarussell bzw. Gedankenkreisen bekannt und weit verbreitet. In der Fachsprache wird es auch als Repetitives Negatives Denken, kurz: RND, oder Pathologisches Grübeln bezeichnet.

Der Betroffen:e macht sich meist zu viele Sorgen macht oder sieht Probleme, wo gar keine sind. Bezeichnend ist jedoch auch, dass dies meist gegen den Willen des Betroffen:en geschieht und dieser das Gedankenkreisen als störend empfindet. 

Die quälenden Gedankenspiralen beginnen oftmals mit Sätzen wie "Was wäre, wenn…" oder "Hätte ich nur …" und treten meistens in der Nacht auf. Eine befriedigende Lösung des Problems, das in der Vergangenheit oder Zukunft liegen kann, bleibt in der Regel aus.

Es wird unterschieden zwischen:

  • Nachdenken: Es wird über etwas nachgedacht und eine Lösung für ein Problem gefunden, die anschließend auch umgesetzt wird.
  • Sorgen (Worrying): Sorgenvolle Gedanken über die Zukunft, kann oftmals Symptom einer generalisierten Angststörung sein.
  • Grübeln (Rumination): Gedankenkreisen über Ereignisse, die in der Vergangenheit stattgefunden haben.

Overthinking ist ein sehr häufiges Phänomen und kann viele unterschiedliche Ursachen haben. 

Auslöser dafür können u.a. sein:

  • Genetische Faktoren
  • Geschlecht
  • Persönliche Neigung zum Grübeln, u.a. Perfektionismus
  • Mentale Gewohnheit, etablierter Denkstil
  • Negative Erfahrung, Trauma
  • Psychische Erkrankung, u.a. Depressionen, Ess-, Angst- oder Zwangsstörung

Starkes Grübeln kann bereits bei Mädchen ab einem Alter von zwölf Jahren auftreten, bei Buben tritt es in der Regel erst ab 14 Jahren auf. Frauen sind generell deutlich häufiger von Overthinking betroffen als Männer. Bei jungen Erwachsenen tritt Overthinking verstärkt auf, dann nimmt es wieder ab.

Mit wiederholendem, negativen Gedankenkreisen können u.a. folgende Symptome einhergehen:

  • Selbstkritik
  • Schlafstörungen
  • Angstgefühle
  • Erschöpfung
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Unzufriedenheit, Unglücklichsein
  • Depressive Verstimmung
  • Sozialer Rückzug
  • Stress
  • Erhöhter Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankung

Da durch das über einen längeren Zeitraum anhaltende Grübeln der Stresspegel steigt und es in der Folge zu einer höheren Ausschüttung von dem Stresshormon Cortisol kommt, kann der Blutdruck steigen, was wiederum mit schleichenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung steht.

Das repetitive Nachdenken kann auch selbst ein Symptom einer psychischen Erkrankung wie Angststörung, Zwangsstörung, Essstörung, Depression, Burnout oder posttraumatische Belastungsstörung sein und es besteht wiederum auch ein erhöhtes Risiko für eine psychische Störung oder Depression. Je länger Overthinking auftritt, desto stärker kann es Einfluss auf die Entwicklung einer psychischen Erkrankung nehmen und desto stärker ist die Belastung.

Mag.a Karina Ortner, Klinische Psychologin & Gesundheitspsychologin

Das repetitive Nachdenken kann ein Symptom einer psychischen Erkrankung wie Angststörung, Zwangsstörung oder posttraumatische Belastungsstörung sein und es besteht wiederum auch ein erhöhtes Risiko für eine psychische Störung oder Depression.

Mag.a Karina Ortner, Klinische Psychologin & Gesundheitspsychologin

Ein Diagnoseverfahren per se gibt es nicht. Wird das übermäßige Nachdenken als störend empfunden, sollte professionelle Hilfe gesucht werden.

Erste Ansprechpartner:in kann die Hausärzt:in (Ärzt:in für Allgemeinmedizin), die Psycholog:in oder Psychotherapeut:in sein. Im Rahmen eines ausführlichen Ärzt:in-Patient:in-Gesprächs (Anamnese) kann das Verhaltensmuster bestimmt werden.

Drehen sich die negativen Gedanken im Kreis, kann das auf Dauer blockieren und unglücklich machen. Besonders wenn das Grübeln die Psyche stark belastet und das Leben einschränkt, sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden. Je länger das exzessive Nachdenken anhält, desto eher wird die Entstehung einer psychischen Erkrankung begünstigt.

Bei stärker ausgeprägten mentalen Verhaltensmustern stehen u.a. folgende psychotherapeutische Ansätze zur Verfügung:  

Ruminationsfokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (RFCBT): Spezialisierte Form der Kognitiven Verhaltenstherapie, die sich gezielt auf Rumination (wiederkehrendes negatives Grübeln) fokussiert. Nach einer (Selbst-) Analyse, wann das Grübeln auftritt, wird nach und nach ein neues mentales Verhaltensmuster etabliert.
Metakognitive Therapie (MKV): Der Fokus wird hierbei auf den Inhalt der Fragen gerichtet. Die Methode wird vorrangig bei Zukunftssorgen eingesetzt.

7 Strategien aus dem Gedankenkarussell

Folgende Tipps können dabei helfen, die Grübelei zu stoppen und sich abzulenken:

  • Positiv denken: Sich immer wieder bewusst auf die positiven Aspekte des Lebens fokussieren. Es kann helfen, die schönen Dinge des Lebens aufzuschreiben, um sie sich durch regelmäßiges Durchlesen wieder in Erinnerung rufen zu können.
  • Realitätscheck durchführen: Es kann die Augen öffnen, sich zwischendurch zu fragen: Wie plausibel sind meine Sorgen wirklich? Was habe ich davon, wenn ich mir Gedanken darüber mache?
  • Perspektivenwechsel vornehmen: Was würde ich einer Freund:in raten, wenn sie mir von diesen Sorgen erzählen würde?
  • Grübelzeit festlegen: Innerhalb einer definierten Grübelzeit, z.B. 15 Minuten, ist das Nachdenken erlaubt, danach nicht mehr.
  • Achtsamkeit trainieren: Oft hilft es, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und im Alltag bewusst zu handeln.
  • Metapher visualisieren: Sich die Gedanken als Wolken vorstellen, sie vorüberziehen lassen und damit abschließen, sobald sie aus dem Blickfeld verschwunden sind.
  • Routine festlegen: Ein strukturierter Tagesablauf sorgt für Routine und nimmt Entscheidungen ab.

Autor:innen:

Redaktionelle Bearbeitung:

  • Nathalie Lackner (Online-Redakteurin für medizinische Themen, RegionalMedien Gesundheit)

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