Da auch andere Erkrankungen mit Juckreiz einhergehen, kann Lichen sclerosus mit Krankheiten wie Pilzinfektionen oder Ekzemen verwechselt werden. Das kann dazu führen, dass Betroffene oft lange auf die richtige Diagnose warten. Eine frühzeitige Therapie ist aber wichtig, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Bei anhaltendem Juckreiz im Genitalbereich, sollte unbedingt eine fachärztliche Abklärung erfolgen.
Zusammenfassung
- Lichen sclerosus ist eine chronische Hauterkrankung im Genitalbereich.
- Juckreiz und Schmerzen im Genitalbereich kennzeichnen die Erkrankung.
- Unbehandelt kann die Erkrankung zu Narbenbildung und funktionellen Einschränkungen führen.
- Die richtigen Ansprechpartner:innen bei Lichen sclerosus sind Dermatolog:in, Gynäkolog:in und Urolog:in.
- Die Ärzt:in stellt die Diagnose meist anhand des typischen Erscheinungsbildes. Eine Hautbiopsie sichert den Verdacht.
- Behandelt wird Lichen sclerosus mit hochpotenten Kortisonsalben.
- Lichen sclerosus ist nicht heilbar, mit einer frühzeitigen und konsequenten Therapie aber gut behandelbar.
Lichen sclerosus im Überblick
| Art | chronische Hauterkrankung |
|---|---|
| Ursache | nicht vollständig geklärt; vermutlich spielen Autoimmunreaktionen, genetische, hormonelle und mechanische Faktoren zusammen |
| Symptome | u.a. Juckreiz, Brennen, Schmerzen (beim Geschlechtsverkehr), weißlich glänzende Hautveränderungen, Fissuren und im Verlauf Vernarbungen meist im After- und Genitalbereich |
| Übertragung | nicht ansteckend |
| Diagnose | Blickdiagnose anhand des typischen Erscheinungsbildes, Hautbiopsie bei unklaren Befunden oder zum Ausschluss anderer Erkrankungen |
| Behandlung | Kortikosteroide als Creme oder Salbe |
FAQ (Häufige Fragen)
Warum bekommt man Lichen sclerosus?
Die genaue Ursache für Lichen sclerosus ist bislang nicht vollständig geklärt. Bei der Entstehung dürften mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Nach heutigem Wissensstand geht man von einer Autoimmunreaktion aus, bei der das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise Hautzellen und Bindegewebe angreift.
Weitere mögliche Einflussfaktoren sind: genetische Veranlagung, hormonelle Faktoren und mechanische Faktoren, lokale Hautreizungen oder Hautverletzungen.
Was kann man gegen Lichen sclerosus tun?
Die wichtigste und wirksamste Behandlung ist die regelmäßige und langfristige Anwendung von hochpotenten kortisonhaltigen Salben (topische Kortikosteroide). Sie stellen den internationalen Therapiestandard dar.
Wie gefährlich ist Lichen sclerosus?
Lichen sclerosus ist eine chronische Erkrankung und derzeit nicht vollständig heilbar. Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung lässt sich die Erkrankung in den meisten Fällen aber gut kontrollieren. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig, um den Krankheitsverlauf zu überwachen. Zudem besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Vulvakarzinome.
Lichen sclerosus (LS) ist eine chronisch-entzündliche und nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie betrifft meist den Bereich rund um Genitalien und After, kann aber auch an anderen Körperstellen auftreten. Ist ausschließlich der Genitalbereich betroffen, spricht man medizinisch von Lichen sclerosus genitalis.
Betroffene leiden zu Beginn der Erkrankung unter starkem Juckreiz (oft nachts verstärkt) und Brennen oder Schmerzen im Genitalbereich. Im weiteren Verlauf können sich kleine Knötchen oder weiße Flecken bilden, die Haut wird dünner, reißt ein und vernarbt. Unbehandelt kann es zu dauerhaften Hautschäden und funktionellen Einschränkungen kommen.
Lichen sclerosus tritt deutlich häufiger bei Frauen auf, seltener bei Männern und Kindern. Erkrankungsgipfel zeigen sich bei jungen Mädchen vor der Pubertät und Frauen nach den Wechseljahren.
Eine frühzeitige Behandlung kann Beschwerden lindern, Komplikationen verhindern und die Lebensqualität deutlich verbessern.
Mehr zum Thema: Wechseljahre im Griff » Strategien, die helfen
Die genaue Ursache für Lichen sclerosus ist bislang nicht vollständig geklärt. Bei der Entstehung dürften mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Nach heutigem Wissensstand geht man von einer Autoimmunreaktion aus, bei der das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise Hautzellen und Bindegewebe angreift.
Weitere mögliche Einflussfaktoren sind:
- genetische Veranlagung (familiäre Häufung),
- hormonelle Faktoren
- und mechanische Faktoren, lokale Hautreizungen oder Hautverletzungen.
Wichtig ist, dass Lichen sclerosus nicht ansteckend ist und nicht durch mangelnde Hygiene entsteht.
Die Symptome bei Lichen sclerosus können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufige Beschwerden sind:
- ausgeprägter Juckreiz (oft nachts verstärkt)
- Schmerzen und Brennen
- weißlich, glänzende Hautveränderungen
- Hautrisse
- im Verlauf Vernarbungen und Hautveränderungen
Im fortgeschrittenen Stadium kann es durch Narbenbildung zu Gewebeschwund (Atrophie) und funktionellen Einschränkungen kommen. Häufig treten Probleme beim Wasserlassen, Störungen bei der Stuhlentleerung und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auf. Bei Frauen können sich die Schamlippen zurückbilden und verkleben, beim Mann kann es zu einer Verengung der Vorhaut (Phimose) kommen.
Bei Verdacht auf Lichen sclerosus sind Hautärzt:in, Gynäkolog:in und Urolog:in die richtigen Ansprechpartner. Die Ärzt:in kann die Diagnose meist bereits beim Begutachten der typischen Hautveränderungen stellen. Bei unklaren Befunden oder zum Ausschluss anderer Erkrankungen ist eine Hautbiopsie (Entnahme einer Hautprobe), die feingeweblich untersucht wird, erforderlich.
Wie Lichen sclerosus behandelt wird, hängt unter anderem vom Krankheitsstadium, Verlauf und den individuellen Beschwerden ab. Eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich. Ziel der Therapie ist es, Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Die wichtigste und wirksamste Behandlung ist die regelmäßige und langfristige Anwendung von hochpotenten kortisonhaltigen Salben (topische Kortikosteroide). Sie stellen den internationalen Therapiestandard dar und reduzieren Entzündungen, lindern Juckreiz und Schmerzen, beugen Vernarbungen vor und senken das Risiko für bösartige Veränderungen.
Zu Beginn der Behandlung erfolgt eine Intensivphase, danach ist meist eine langfristige Erhaltungstherapie in reduzierter Dosis notwendig.
Empfohlen sind außerdem rückfettende und pflegende Salben zur Stabilisierung der Hautbarriere. Beim Mann kann in bestimmten Fällen eine Entfernung der Vorhaut notwendig sein.
Lichen sclerosus ist eine chronische Erkrankung und derzeit nicht vollständig heilbar. Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung lässt sich die Erkrankung in den meisten Fällen aber gut kontrollieren.
Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig, um:
- den Krankheitsverlauf zu überwachen
- Vernarbungen vorzubeugen
- Hautveränderungen rechtzeitig zu entdecken
Es besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Vulvakarzinome, weshalb regelmäßige fachärztliche Kontrollen empfohlen werden.
- Lokale Anwendung von Seifen oder anderen reizenden Stoffen vermeiden
- Verzicht auf Intimsprays, parfümierte Waschlotionen und Feuchttücher
- Täglich mit fetthaltiger, parfümfreier Salbe pflegen
- Kratzen unbedingt unterlassen
- Keine enge Kleidung tragen
- Unterwäsche aus Baumwolle oder Seide bevorzugen
- Bei Fahrradfahren oder Reiten auf geeigneten Sattel und angepasste Sitzposition achten
Mehr zum Thema: Intimpflege bei der Frau » Was ist zu beachten?
- S3-Leitlinie: Lichen sclerosus, AWMF-Register-Nr.: 013-105. 2025, Stand 16.06.2025; Gültig bis 15.06.2030 (letzter Zugriff: 20.07.2026)
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Chronische Hauterkrankung im Genitalbereich: Neue Leitlinie zu Lichen sclerosus empfiehlt Kortikoidtherapie als Mittel der 1. Wahl (letzter Zugriff: 20.07.2026)
- Kirtschig G. et al. (2024). EuroGuiderm guideline on lichen sclerosus-introduction into lichen sclerosus. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology : JEADV, 38(10), 1850–1873 (letzter Zugriff: 20.07.2026)
- Lewis, F. M. et al. (2018). British Association of Dermatologists guidelines for the management of lichen sclerosus, 2018. The British journal of dermatology, 178(4), 839–853 (letzter Zugriff: 06.07.2026)