Laboruntersuchungen dienen als wichtiges Diagnoseinstrument. Hält man den Befund kurze Zeit später in den Händen, werfen die Ergebnisse jedoch oftmals Fragen auf. Auffälligkeiten, die nicht genau nachvollziehbar sind, können für Verunsicherung sorgen. Hinter einem einzelnen abweichenden Wert muss jedoch noch nicht zwangsläufig eine Erkrankung stecken.
Zusammenfassung
- Labortests sind wichtige Diagnoseinstrumente, um den Gesundheitszustand der Patient:in zu überprüfen.
- Sie können zur Vorsorge durchgeführt werden, aber auch bei Verdacht auf eine vorliegende Erkrankung oder um den Krankheitsverlauf zu beobachten.
- Die angegebenen Werte auf einem Laborbefund sind jedoch nicht immer einfach verständlich.
- Neben der Zusammensetzung des Blutes können Hormone, Enzyme oder Stoffwechselprodukte untersucht werden.
Mithilfe von Labortests kann die Haus- oder Fachärzt:in den Gesundheitszustand überprüfen und körperliche Veränderungen erkennen, sogar noch bevor Beschwerden auftreten. Krankheitserreger können entdeckt sowie Veränderungen in den Zellen oder im Stoffwechsel festgestellt werden.
Die Ärzt:in kann einen Labortest veranlassen:
- Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung – um den Gesundheitszustand zu überprüfen und bestimmte Risiken frühzeitig zu erkennen (z.B. Cholesterinwerte, um das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung abschätzen zu können).
- Um eine Diagnose zu bestätigen, wenn der Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung vorliegt.
- Um den Krankheitsverlauf zu beobachten, da sich der Erfolg einer Therapie auch manchmal an Laborwerten ablesen lässt.
Eine allseits bekannte Laboruntersuchung ist das kleine und große Blutbild. Die Zusammensetzung des Blutes wird überprüft. Neben den Blutzellen werden auch im Blut gelöste Stoffe wie z.B. Hormone, Enzyme oder Stoffwechselprodukte untersucht.
Weitere Proben, die für eine Untersuchung herangezogen werden können, sind:
- Speichel
- Urin
- Stuhl
- Gewebe- oder Haarproben
- Abstriche
- Hustenschleim (Sputum)
- Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor)
Laborwerte können sich aufgrund von Alter, Geschlecht oder anderen biologischen Faktoren (Gewicht, Größe, Hormonhaushalt, etc.) von Person zu Person etwas unterscheiden – ohne, dass ein gesundheitliches Problem dahintersteckt. Deshalb wird mit sogenannten Referenzwerten gearbeitet:
- Liegt ein ermittelter Wert innerhalb dieses Bereichs, ist er unauffällig.
- Liegt er außerhalb des Bereichs, markiert er eine Abweichung.
Auffällige Werte werden meist hervorgehoben. Sie werden fettgedruckt oder mithilfe von Symbolen (Plus, Minus oder Pfeile) gekennzeichnet.
Bei manchen Laborparametern gibt es jedoch innerhalb dieses Bereichs Werte, die für die individuelle Gesundheit günstiger sein können. Welcher Wert angestrebt werden sollte, hängt unter anderem von Vorerkrankungen und persönlichen Risikofaktoren ab.
In den folgenden Abbildungen sehen Sie beispielhaft, wie die Angaben in einem Laborbefund aussehen könnten.
Zuerst wird hier ein Blick auf die Hämatologie geworfen. Es werden verschiedene Blutwerte aufgelistet:
- Leukozyten: weiße Blutkörperchen, haben eine wichtige Funktion bei der Abwehrfunktion von Krankheitserregern und Fremdstoffen
- Thrombozyten: Blutplättchen, wichtig beim Verschließen von Wunden, sie sorgen dafür, dass sich ein Blutgerinnsel bilden kann, was bei einer Verletzung zur Blutstillung führt.
- Erythrozyten: rote Blutkörperchen, sind für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich
- Hämoglobin: ist ein Eiweißbestandteil der roten Blutkörperchen, der den Sauerstoff für den Transport bindet
- Hämatokrit: Gibt an, welchen Volumenanteil die roten Blutkörperchen am gesamten Blut ausmachen.
- MCV: steht für mittleres Zellvolumen der Erythrozyten, gibt Auskunft über die Größe der roten Blutkörperchen
- MCH: steht für mittlerer Hämoglobingehalt in Zellen, gibt Auskunft über den Hämoglobingehalt in den roten Blutkörperchen
- MCHC: steht für mittlere zelluläre Hämoglobin-Konzentration, gibt Auskunft, wie stark das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen konzentriert ist.
- Granulozyten: sind die größte Untergruppe der weißen Blutkörperchen und vor allem für die Abwehr von Infektionen wichtig. Dazu zählen die neutrophilen, eosinophilen und basophilen Granulozyten.
- Lymphozyten: Übernehmen unterschiedliche Aufgaben der Immunabwehr, besonders für die Abwehr von Virus- und Pilzinfektionen.
- Monozyten: gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind Vorläufer der Makrophagen. Sie wandeln sich in sogenannte "Fresszellen" um und sind wichtig für die Immunabwehr.
In der Labormedizin, speziell in der hämatologischen Diagnostik, wird der Anteil eines Zelltyps an der Gesamtzahl der Leukozyten prozentual (relativ) und die tatsächliche Anzahl der Zellen in einem definierten Blutvolumen (absolut) angegeben.
In der nächsten Abbildung werden Werte aufgelistet, die in den Bereich der klinischen Chemie eingeordnet werden. Die klinische Chemie umfasst ein Spektrum an Routine- und Notfalluntersuchungen sowie eine große Zahl immunchemisch bestimmbarer Analysen, wie z.B. die Bestimmung von Elektrolyten, Nierenwerten, Leberwerten, Spurenelementen, Fett- und Eisenstoffwechsel, Harnuntersuchungen, Tumormarkern, Toxikologie, etc.
- CRP: C-reaktives Protein, wird in der Leber gebildet und ist ein Entzündungsmarker, steigt an, wenn eine Entzündung vorliegt z.B. nach einer bakteriellen Infektion
- Blutsenkung: Misst, wie weit rote Blutkörperchen in einer bestimmten Zeit absinken – sie wird nach einer Stunde und nach 2 Stunden gemessen und gibt an, wie schnell die roten Blutkörperchen in einer Blutprobe innerhalb 1/2h absinken. Ist der Wert erhöht, kann das auf eine Entzündung oder Erkrankung hinweisen.
- Natrium: wichtiges Elektrolyt im Körper, liegt als positiv geladenes Ion vor, trägt zum Aufbau der elektrischen Spannung an den Zellmembranen bei, ist wichtig für die Weiterleitung von Nervenimpulsen, den Herzrhythmus sowie die Muskelarbeit
- Kalium: wichtiger Elektrolyt im Körper, sorgt dafür, dass elektrische Impulse an Nerven- und Muskelzellen korrekt weitergeleitet werden
- Chlorid: Ist ein wichtiger Elektrolyt für den Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt.
- Kreatinin: ist ein wichtiger Nierenwert, steigt der Kreatininwert im Blut, ist das ein Hinweis auf eine eingeschränkte Nierenfunktion
- GFR (CKD-EP): Beschreibt die Filterleistung der Nieren. Die eGFR wird mithilfe einer Formel geschätzt, etwa CKD-EPI. Sie dient zur Beurteilung der Nierenfunktion und zusammen mit weiteren Befunden zur Einteilung einer chronischen Nierenerkrankung.
- BUN: der Harnstoff-Stickstoff im Blut wird gemessen, kann zur Beurteilung der Nierenfunktion herangezogen werden
- Harnsäure: wird über die Nieren ausgeschieden. Die Konzentration der Harnsäure kann erhöht sein, wenn die Nieren nicht richtig arbeiten.
- CK: Die Kreatinkinase (CK) ist ein Enzym, das in den Muskeln, aber auch im Gehirn vorkommt, ist wichtig für die Energiebereitstellung der Zellen
- ASAT (GOT), ALAT (GPT), Gamma-GT, Alkalische Phosphatase (AP): sind Leberwerte, die Informationen zum Zustand und der Aktivität der Leber liefern.
- Bilirubin: ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Seine Konzentration liefert u.a. Hinweise auf Krankheiten der Leber und der Gallenwege.
- Eisen: ist ein Spurenelement, das vor allem für den lebensnotwendigen Sauerstofftransport im Körper nötig ist. Sowohl ein Mangel als auch eine Überladung kann Schaden anrichten. Das Eisen zeigt an, wieviel eisenhaltige Lebensmittel man vor der Blutabnahme zugeführt hat.
- Transferrin: ist ein Serumprotein, dass das Eisen im Blut transportiert. Bei Eisenmangel ist die Transferrin-Konzentration üblicherweise erhöht.
- Transferrinsättigung: Zeigt an wie viele Eisenpassagiere in dem Transferrin transportiert werden.
- Glukose: Nüchternblutzucker-Wert, der hilft, eine Zuckerkrankheit (Diabetes) zu erkennen.
- Cholesterin: ist für den Fettstoffwechsel und zur Bildung bestimmter Hormone notwendig. Das Gesamtcholesterin wird unter anderem eingeteilt in HDL und LDL.
- HDL-Cholesterin: "Hab dich lieb"-Cholesterin weist eine gewisse Schutzfunktion auf, da es abgelagertes Cholesterin in den Gefäßen wieder zurück zum Ausgangsort (in der Leber) transportiert. Ein hoher HDL-Wert ist daher anzustreben.
- LDL-Cholesterin: Ein zu hoher LDL-Wert erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da zu viel LDL in den Blutbahnen dazu führt, dass mehr Cholesterin an den Gefäßwänden haften bleibt und Gefäßverkalkungen verursacht.
- Cholesterin/HDL-Chol.-Ratio: Ist ein Quotient, der das relative Verhältnis zwischen HDL- und Cholesterin und damit das kardiovaskuläre Risiko vermerkt (dieser Wert sollte unter 4 bei Männern bzw. 3,5 bei Frauen liegen).
- Triglyceride: gehören ebenfalls zu den Blutfetten und dienen dem Körper als Energieträger. Überschüssige Kohlenhydrate werden in der Leber zu Triglyceriden umgebaut und in Fettdepots als Energiereserven eingelagert. Ein zu hoher Wert erhöht aber auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
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- TSH: ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird und die Schilddrüse stimuliert. Der Wert zeigt, ob die Schilddrüse ausreichend Hormone produziert. Ein zu hoher Wert weist auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin, während ein niedriger Wert auf eine Überfunktion deutet. Bei Werten aus der Norm sollten fT3 und fT4 dazu bestimmt werden.
- Folsäure: ist die synthetische Form des wasserlöslichen Vitamins B9, auch Folat genannt. Folat benötigt der Körper für Zellteilung, Wachstum und Blutbildung. Ein Folsäure-Mangel kann zu schweren Blutbildveränderungen (Blutarmut) führen.
- Vitamin B12: ist ein wasserlösliches Vitamin, ein Mangel kann Blutarmut und neurologische Beschwerden verursachen.
- Vitamin D total: Vitamin D sorgt für feste und stabile Knochen, indem es hilft, Kalzium und Phosphat einzulagern. Zudem hat es Einfluss auf die Funktion des Immunsystems. 25-OH weist auf eine spezielle Form von Vitamin D hin, die gemessen wird.
- Vitamin D total IFCC: IFCC bezieht sich auf die Organisation "International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine", was darauf hinweist, dass der Test nach international anerkannten Standards durchgeführt wurde.
Wird ein Laborbefund aufgrund gesundheitlicher Beschwerden bzw. des Verdachts auf eine Erkrankung von einer Kassenärzt:in angeordnet, übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten vollständig. Auch besteht die Möglichkeit, das jährliche Angebot der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung zu nutzen. Ohne ärztlicher Zuweisung (z.B. bei einem privaten Labor) sind die Kosten üblicherweise selbst zu tragen.
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- praktischArzt.de: Blutwerte (15.09.2026)
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Laborwerte-Tabelle (15.09.2026)
- ApothekenUmschau: Laborwerte von A bis Z (15.09.2026)
- Gesundheitsinformation.de: Laborwerte richtig verstehen (15.09.2026)
- AOK Gesundheitsmagazin: Normwerte in der Medizin (15.09.2026)
- Stiftung Gesundheitswissen: Laborwerte richtig verstehen (15.09.2026)
- Universitätsklinikum Freiburg: Leistungsspektrum Klinische Chemie (15.09.2026)
- Cholesterin neu verstehen: Welche Cholesterinwerte gibt es? (15.09.2026)