Vagusnerv (Nervus vagus, Nervus X)

Junger Mann meditiert in einer sonnendurchfluteten Waldlichtung
Atemübungen, Meditation oder Spazieren gehen kann dem Körper helfen, in den Ruhemodus zu finden.
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Der Vagusnerv ist der längste Hirnnerv. Er verbindet das Gehirn mit vielen inneren Organen. Als Hauptnerv des Parasympathikus ist er auch für Ruhe und Ausgleich zuständig. Durch verschiedene Methoden kann er stimuliert werden, wodurch wiederum eine tiefe Entspannung ausgelöst werden kann.

Medizinische Expertise

Fabian Winter

DDr. Fabian Winter

Facharzt für Neurochirurgie
Vollbadgasse 6, 1170 Wien und Porschestraße 29, 1230 Wien
www.winter.wien
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Inhaltsverzeichnis

Der Vagusnerv ist der zehnte von zwölf Hirnnerven und verläuft vom Hirnstamm über den Hals bis abwärts in den Brust- und Bauchraum. Auch bekannt als "Erholungsnerv" oder "Ruhenerv" ist er maßgeblich für Erholung und Regeneration zuständig und gilt als Hauptnerv des sogenannten Parasympathikus. Durch bestimmte Methoden kann die Aktivität des Vagusnervs angeregt werden. Dies kann helfen, Stress zu reduzieren und den Körper in einen entspannten Zustand zu versetzen. Zur Behandlung von chronischer Depression oder Epilepsie besteht die Möglichkeit einer invasiven Vagusnervstimulation (iVNS). Derzeit wird intensiv an einer nicht-invasiven Methode, der transkutanen aurikulären Vagusnervstimulation (taVNS), geforscht.

Zusammenfassung

  • Der Nervus vagus ist einer der funktionell wichtigsten Hirnnerven, die dem Hirnstamm entspringen. 
  • Seine Hauptaufgabe ist es, Signale und Reize an das Gehirn weiterzuleiten und als Kommunikator zwischen Gehirn und zahlreichen Organen wie Herz oder Leber zu agieren. 
  • Neben ca. 80 % afferenten Fasern hat er aber auch efferente Fasern. Es besteht also eine bidirektionale Verbindung (sowohl vom Hirn als auch zum Hirn) zwischen Hirnstamm und diversen Organen.
  • Er spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Herzschlag, Atmung und Verdauung.
  • In bestimmten Fällen wird der Vagusnerv auch medizinisch stimuliert.

Nervus vagus im Überblick

Art 10. Hirnnerv, Hauptnerv des Parasympathikus
Verlauf Hirnstamm – Hals – Brustraum – innere Organe
Funktion Bidirektionale Verbindungsleitung zwischen Hirnstamm und Organen 
Symptome bei Reiz bzw. Ausfall u.a. Schwindel, Herzklopfen, Blutdruckabfall, Übelkeit, Ohnmacht, Atem-, Sprech-, Schluckbeschwerden
Stimulation u.a. Atemübungen, Meditation, Summen und Singen, leichte Bewegung

FAQ (Häufige Fragen)

Wo genau sitzt der Vagusnerv?

Der Vagusnerv entspringt dem Hirnstamm und verläuft durch eine Öffnung im hinteren Bereich des Schädels (Foramen jugulare), weiter seitlich am Hals entlang an der Halsschlagader über den Kehlkopf entlang in den Brust- und Bauchraum. Weiters verlaufen seine Äste schließlich zu inneren Organen.

Wie kann man den Vagusnerv beruhigen?

Physiologisch ist es eher ein Aktivieren des Vagusnervs, nicht ein Beruhigen. Durch bestimmte Methoden kann die Aktivität des Vagusnervs angeregt werden, z.B. Progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Meditation oder Yoga. Dies kann helfen, Stress zu reduzieren und den Körper in einen entspannten Zustand zu versetzen.

Wie fühlt sich ein gereizter Vagusnerv an?

Typische Symptome eines Vagusreizes sind:

  • Schwindel
  • Übelkeit
  • langsamer Herzschlag
  • Blutdruckabfall
  • kurzzeitige Bewusstlosigkeit bzw. Ohnmacht (vasovagale Synkope)

Der Nervus vagus ist der 10. von zwölf Hirnnerven. Er entspringt direkt aus dem Hirnstamm. Die lateinische Bezeichnung "vagus" bedeutet "umherschweifen" und kommt nicht von ungefähr: Als längster Hirnnerv des Parasympathikus hat er einen besonderen Stellenwert, denn er steht in Verbindung mit vielen Organen, u.a. mit Herz, Lunge, Gehirn sowie dem Verdauungstrakt.

Als Hauptnerv des Parasympathikus ist der Nervus vagus für die Regulierung des vegetativen, unwillkürlichen Nervensystems für Ruhe und Entspannung zuständig und somit der Gegenspieler des anregenden Sympathikus. 

Der Vagusnerv besitzt sowohl sensorische, sekretorische, somatosensible als auch motorische Faseranteile und ist somit für die unbewusste Verarbeitung von Sinnen, Körperempfindungen, Weiterleitung von Signalen und Bewegungen der glatten Muskulatur verantwortlich. 

Er beeinflusst Atmung, Herzschlag, Sprachfähigkeit oder Verdauungsfunktion und ist für den ständigen Austausch von Informationen, Reizen und Signalen zwischen Gehirn und Organen zuständig. 

Der Nervus vagus ist der längste Hirnnerv. Er entspringt dem Hirnstamm und verläuft durch eine Öffnung im hinteren Bereich des Schädels (Foramen jugulare), weiter seitlich am Hals entlang an der Halsschlagader über den Kehlkopf entlang in den Brust- und Bauchraum. Weiters verlaufen seine Äste schließlich zu den inneren Organen wie 

Verschiedene Ursachen wie psychische Belastungen, Stress oder Angstzustände, Temperaturreize, Dehydrierung, körperliche Überanstrengung, niedriger Blutdruck, aber auch medizinische Eingriffe wie Herzkatheteruntersuchungen oder Druck auf die Halsschlagader können einen (vorübergehenden) Reiz des Nervus vagus auslösen. Eine plötzliche starke vagale Aktivierung kann zu einer sogenannten vasovagalen Synkope führen – einer kurzen Ohnmacht.

Typische Symptome eines Vagusreizes sind:

  • Schwindel
  • Übelkeit
  • langsamer Herzschlag
  • Blutdruckabfall
  • kurzzeitige Bewusstlosigkeit bzw. Ohnmacht (vasovagale Synkope)

Eine Vagusparese bzw. Vaguslähmung meint einen teilweisen oder vollständigen Ausfall des Nervus vagus, bedingt etwa durch Verletzung, Operation, Tumor oder Entzündungen.

Zu den Symptomen einer Vagusparese können u.a. folgende Beschwerden zählen:

  • Schluckstörungen
  • Heiserkeit, Stimmbandlähmung
  • Atemnot
  • Gaumensegellähmung
  • Störungen der Herzfunktion 
  • Störungen der Verdauung

Bei Verdacht auf Probleme mit dem Vagusnerv ist die Ärzt:in für Allgemeinmedizin (Hausärzt:in) die erste Ansprechpartner:in. Nach einer umfassenden Anamnese (Ärzt:in-Patient:ingespräch) und einer, wenn notwendig, körperlichen Untersuchung wird die Ärzt:in bei Bedarf weiterführende Maßnahmen veranlassen.

Die klinische Untersuchung richtet sich nach den Beschwerden – so wird die Ärzt:in bei Schluckbeschwerden den Mund-, Hals- und Rachenraum untersuchen oder bei Herzbeschwerden beispielsweise ein EKG durchführen.

So vielseitig wie die Symptome, die der Vagusnerv verursachen kann, sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. 

Invasive Vagusnervstimulation (iVNS) Eine bei therapieresistenter Epilepsie und Depression etablierte Behandlungsoption ist die invasive Vagusnervstimulation (iVNS). Dabei werden Elektroden im Halsbereich eingesetzt, die durch ein Kabel mit einem Stimulator verbunden sind, der unter Narkose unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt wird. In regelmäßigen Abständen werden elektrische Impulse abgegeben, die über den Nervus vagus an das Gehirn weitergeleitet werden und auf diese Weise den Vagusnerv anregen.
Transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS) Im Gegensatz zur iVNS erfordert die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS), eine relativ neue Therapie, keinen chirurgischen Eingriff. Nach Schlaganfällen, bei Rheuma, Migräne, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder auch, wie neue Studien zeigen, bei chronischen Schlafstörungen (Insomnie) kann taVNS unterstützen. Dies wird aktuell aber noch in klinischen Studien untersucht. Dabei werden Elektroden auf die Ohrmuschel gelegt, die die Nervenfasern beruhigen sollen. Hier sind noch weitere Forschungen notwendig.

Übungen, die den Körper durch Aktivierung des Vagusnervs beruhigen können

Befindet sich der Körper im Ruhezustand, wird der Vagusnerv aktiv. Diverse Entspannungstechniken können helfen, die beruhigende Wirkung zu verstärken und Stresshormone, Blutdruck sowie Herzfrequenz zu senken, innere Anspannungen zu lösen und die Verdauung zu fördern, z.B.

Massagen, bspw. am Hals, stimulieren den Vagusnerv übrigens nicht direkt, da die Nervenfasern tief im Inneren des Körpers verlaufen, können aber dazu beitragen, dem Körper zu helfen, in den Ruhemodus zu finden. Jeder Mensch reagiert anders, daher ist es ratsam, behutsam auszutesten, was persönlich gut tut.

Der Vagusnerv ist ein zentraler Bestandteil unseres Nervensystems. Er spielt eine wichtige Rolle für Entspannung, Regeneration und viele lebenswichtige Körperfunktionen. Während in sozialen Medien oft große Versprechen rund um den "Vagusnerv-Hype" gemacht werden, ist wichtig zu wissen: Er ist kein Wundernerv – aber ein bedeutender Bestandteil unseres fein abgestimmten Nervensystems.

DDr. Fabian Winter, Facharzt für Neurochirurgie


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