Polyneuropathie (PNP)

Eine Frau fortgeschrittenen Alters sitzt am Sofa und hat Schmerzen im Fuß
Meist beginnen die Gefühlsstörungen in den Füßen und Unterschenkeln bzw. Händen und Unterarmen.
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Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven geschädigt sind. Es kommt zu Symptomen wie Kribbeln, Taubheit, Brennen, Gefühle des Eingeschnürtseins, Gefühle wie auf Watte zu gehen, Muskelschwäche, Muskelzucken, nächtliche unruhige Beine (Restless legs Syndrom), Schmerzen oder auch zu schmerzlosen Wunden.

Medizinische Expertise

Karoline Wenzel

Dr. Karoline Wenzel

Fachärztin für Neurologie
Richard-Wagner-Gasse 34, 8010 Graz
www.neurologie-wenzel.at
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Inhaltsverzeichnis

Die Symptome einer Polyneuropathie können sehr belastend sein. Bei typischen Beschwerden ist es wichtig, so rasch wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wird die Ursache erkannt, kann die Erkrankung meist gut behandelt werden. Je früher eine Therapie beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine bessere Lebensqualität.

Zusammenfassung

  • Polyneuropathien (PNP) sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Dabei sind mehrere Nerven geschädigt.
  • Polyneuropathien können unterschiedliche Ursachen haben. Am häufigsten treten sie in Zusammenhang mit Diabetes mellitus auf.
  • Bei PNP kann es zu Missempfindungen, Kribbeln oder Brennen sowie Sensibilitätsstörungen und Schmerzen kommen.
  • Zur Diagnose kommen Untersuchungen wie Elektromyographie (EMG) und Messungen der Nervenleitungsgeschwindigkeit (ENG) zum Einsatz.

Polyneuropathie im Überblick

Art Nervenerkrankung
Ursachen u.a. Diabetes, Alkoholmissbrauch, Infektionen, Toxine, bestimmte Medikamente, Nährstoffmangel, Autoimmunerkrankungen, Erbkrankheiten
Symptome u.a. Schmerzen, Empfindungsstörungen, Schwäche
Diagnose u.a. Elektromyographie, Messungen der Nervenleitungsgeschwindigkeit
Behandlung Behandlung der Grunderkrankung, Physiotherapie, Medikamente

FAQ (Häufige Fragen)

Wie merkt man, dass man Polyneuropathie hat?

Welche Symptome bei Polyneuropathie auftreten, hängt unter anderem von Ursache, betroffenen Bereich und Stadium ab. Mögliche Symptome sind:

  • Störungen sensibler Nerven: u.a. Kribbeln, Brennen, Schmerzen, Taubheit
  • Störungen motorischer Nerven: u.a. verminderte Reflexe, Muskelschwäche, Gangunsicherheit
  • Vegetative Ausfallserscheinungen: u.a. gestörte Blasenfunktion, Erektionsstörung, Kreislaufprobleme, Pupillenstörung
Was löst Polyneuropathie aus?

Polyneuropathien können verschiedene Auslöser haben und sehr unterschiedlich verlaufen. Diabetes gilt als häufigste Ursache. Zu weiteren möglichen Ursachen zählen z.B. Alkoholmissbrauch, Infektionen, Erbkrankheiten, Autoimmunerkrankungen, Giftstoffe, Medikamente, Krebserkrankungen.

Wie geht Polyneuropathie wieder weg?

Die Behandlung der Grunderkrankung steht an erster Stelle. Bei Schmerzen kommen Medikamente zum Einsatz. In speziellen Fällen kommen Cortison- oder andere Immuntherapien zur Anwendung. Unterstützend kann Physio- und Ergotherapie sinnvoll sein.

Bei Polyneuropathien (PNP) sind mehrere Nerven des peripheren Nervensystems (Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks) geschädigt. Durch die Schädigung können Reize nicht oder nur mehr eingeschränkt an das zentrale Nervensystem weitergeleitet werden. Unterschiedliche Symptome wie zum Beispiel Taubheitsgefühl in den Füßen, Kribbeln, Stechen oder Brennen sind die Folge. Zu den häufigsten Ursachen der Polyneuropathie zählen Diabetes mellitus und chronischer Alkoholmissbrauch. Es kommen aber auch andere Auslöser wie Infektionen oder Erbkrankheiten in Frage.

Polyneuropathien können akut (plötzlicher Beginn) oder chronisch (langsame Entwicklung über Monate oder Jahre hinweg) auftreten. In Österreich sind bis zu 10 % der Menschen von Polyneuropathie betroffen.

Polyneuropathien können verschiedene Auslöser haben und sehr unterschiedlich verlaufen. 

Mögliche Ursachen für Polyneuropathie: 

  • Diabetes mellitus (häufigste Ursache)
  • Chronischer Alkoholmissbrauch
  • Infektionen wie z.B. Borreliose, Syphilis, Varizella-Zoster-Viren, HIV
  • Erbkrankheiten (z.B. hereditäre motorisch-sensible Neuropathie wie das Charcot-Marie-Tooth-Hoffmann-Syndrom (CMT)) 
  • Autoimmunerkrankungen wie z.B.  Guillan-Barré-Syndrom, Sarkoidose, rheumatoide Arthritis, chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)
  • Vitamin-B12-Mangel sowie andere Nährstoffmangel (z.B. Vitamin B1, B6, Vitamin E)
  • Hormonelle Ursachen (z.B. Hypothyreose)
  • Giftstoffe (z.B. Blei und Quecksilber)
  • Medikamente (z.B. Chemotherapeutika, bestimmte Antibiotika)
  • Krebs (z.B. multiples Myelom)
  • Nierenversagen (urämische Polyneuropathie)

Polyneuropathien können nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden. Unterschieden werden kann nach Ursache, betroffene Nervenarten, Verlauf, Art der Nervenschädigung und Verteilung der Symptome.

Einteilung nach Ursache

  • Metabolische Polyneuropathien (z.B. Diabetes)
  • Toxische Polyneuropathien (z.B. Alkohol, Medikamente, Schwermetalle)
  • Infektiöse Polyneuropathien (z.B. HIV, Borreliose)
  • Autoimmune Polyneuropathien (z.B. Guillain-Barré-Syndrom)
  • Hereditäre Polyneuropathien (z.B. Charcot-Marie-Tooth-Syndrom)
  • Paraneoplastische Polyneuropathien (in Zusammenhang mit Krebserkrankungen)
  • Idiopathische Polyneuropathien (keine Ursache feststellbar)

Einteilung nach betroffenen Nervenarten

  • Sensorische Polyneuropathie: Störung der Sensibilität (Taubheit, Kribbeln, Schmerzen)
  • Motorische Polyneuropathie: Muskelschwäche, Lähmungen
  • Vegetative Polyneuropathie: Störungen von Blutdruck, Verdauung, Blasenfunktion, Hauttrockenheit
  • Sensorisch-motorische Polyneuropathie: Kombination aus sensiblen und motorischen Symptomen 

Einteilung nach Verlauf

  • Akute Polyneuropathie
  • Chronische Polyneuropathie

Einteilung nach Art der Nervenschädigung

  • Axonale Polyneuropathie: Schädigung der Nervenfasern (z.B. bei Diabetes)
  • Demyelinisierende Polyneuropathie: Schädigung der Myelinscheide (z.B. bei Guillain-Barré-Syndrom)
  • Gemischte Form: Kombination aus axonaler und demyelinisierender Schädigung
  • Einteilung nach Verteilung der Symptome
  • Distal-symmetrische Polyneuropathie: beginnt an Füßen und Unterschenkeln
  • Multifokale Polyneuropathie: mehrere einzelne Nerven betroffen
  • Asymmetrische Polyneuropathie: ungleichmäßig ausgeprägt

Eine besondere Form der Polyneuropathien sind erblich bedingte Polyneuropathien (hereditäre Polyneuropathien). Die häufigste Form ist das Charcot-Marie-Tooth-Syndrom (CMT-Syndrom). In Österreich gibt es etwa 3.000 bis 4.000 Betroffene.

Beim CMT-Syndrom sind sowohl die motorischen als auch die sensiblen Nerven betroffen. CMT beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter und schreitet langsam fort.

Typische Symptome des CMT-Syndroms sind:

  • Muskelschwäche (vor allem an Füßen und Unterschenkeln)
  • Muskelabbau (Atrophie)
  • Fußfehlstellungen (z.B. Hohlfuß)
  • Sensibilitätsstörungen
  • verminderte oder fehlende Reflexe

Welche Symptome bei Polyneuropathie auftreten, hängt unter anderem von Ursache, betroffenen Bereich und Stadium ab. Mögliche Symptome sind:

  • Störungen sensibler Nerven: u.a. Kribbeln, Brennen, Schmerzen, Taubheit
  • Störungen motorischer Nerven: u.a. verminderte Reflexe, Muskelschwäche, Gangunsicherheit
  • Vegetative Ausfallserscheinungen: u.a. gestörte Blasenfunktion, Erektionsstörung, Kreislaufprobleme, Pupillenstörung
Symptome bei Schädigung sensibler Nerven Im Anfangsstadium sind meist die sensiblen Nerven betroffen, die Gefühlsreize aufnehmen und ans Gehirn weiterleiten. Meist beginnen die Gefühlsstörungen in den Füßen und Unterschenkeln bzw. Händen und Unterarmen und breiten sich im weiteren Verlauf Richtung Körpermitte aus. Betroffen sein können Berührungsreize, Temperaturreize, Schmerzempfinden und Tiefensensibilität.
Symptome bei Schädigung motorischer Nerven Die motorischen Nerven steuern die Muskelbewegungen. Sie sind meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium betroffen. Es kommt zu Muskelschwäche, Muskelatrophie und unsicherem Gang.
Symptome bei Schädigung des vegetativen Nervensystems Störungen des vegetativen Nervensystems entwickeln sich meist erst in fortgeschrittenem Stadium. Es kommt zu Schwindel und Kollapsneigung bei Lageänderung, Verdauungsbeschwerden und einer gestörten Schweißproduktion sowie Pupillenstörungen.

Symptome bei Schädigung der Hirnnerven

Bei bestimmten Sonderformen (z.B. Guillain-Barré-Syndrom) können auch die Hirnnerven geschädigt sein. Symptome wie einseitige Gesichtslähmung (Facialisparese), Augenbewegungsstörungen, Schwerhörigkeit, Schwindel oder Schluckstörungen sind möglich.

Bei Verdacht auf Polyneuropathie ist die Hausärzt:in oder die Neurolog:in die richtige Ansprechpartner:in. Nach einer ausführlichen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) wird die Ärzt:in eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden verschiedene Nerven- bzw. Muskelfunktionen überprüft. Zusätzlich achtet er auf mögliche körperliche Merkmale wie z.B. Abnahme der Muskelmasse. Blutuntersuchungen helfen dabei, häufige Ursachen von Nervenschädigungen zu erkennen (z.B. Vitamin-B12-Mangel).

Weitere Untersuchungen wie eine Elektroneurographie (ENG) und eine Elektromyographie (EMG) helfen bei der Diagnose. Bei diesen Untersuchungen werden elektrische Nerven- bzw. Muskelaktivitäten gemessen. 

Manchmal ist weiterführend auch eine Biopsie von Nerven- oder Hautgewebe bzw. eine Liquorpunktion notwendig. In manchen Fällen (bei hereditären Formen) können auch genetische Untersuchungen wichtig sein.

An erster Stelle steht die Behandlung der Grunderkrankung, wenn möglich. Bei Schmerzen kommen Medikamente zum Einsatz wie 

  • Antikonvulsiva (Epilepsie-Medikamente), 
  • Antidepressiva 
  • sowie Lokalanästhetika zur äußerlichen Anwendung 
  • und Opiate bei ausgeprägten Schmerzen. 

In speziellen Fällen kommen Cortison oder andere Immuntherapien zur Anwendung.
Häufig kann keine komplette Schmerzfreiheit erreicht werden, daher sind realistische Therapieziele wie Schmerzabschwächung, Verbesserung der Schlafqualität, Verbesserung der Lebensqualität, Erhaltung der sozialen Aktivität sowie Erhaltung der Arbeitsfähigkeit wichtig. 

Unterstützend können Physiotherapie, insbesondere Gang- und Gleichgewichtstraining, Reizstromtherapie (TENS – bislang wissenschaftlich nicht erwiesen) und Ergotherapie sinnvoll sein.


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Redaktionelle Bearbeitung:

Medizinisches Review:

Stand der medizinischen Information:


ICD-Code:

  • G62.9

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