Ashwagandha (Schlafbeere, indischer Ginseng, Winterkirsche)

Ashwagandha-Pulver, umgeben von Kapseln und Blättern
Wurzeln und Blätter der Pflanze werden zu Pulver verarbeitet. Es werden Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln oder Tropfen hergestellt.
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Weniger Stressgefühl, besserer Schlaf, mehr Energie, mehr Leistungsfähigkeit – mit diesen Versprechen werden Ashwagandha-Präparate derzeit, vor allem online, häufig beworben. Europäische Behörden raten jedoch zu Vorsicht.

Medizinische Expertise

Christian Kienbacher

OA Ing. Mag. Dr. med. univ. Christian Kienbacher

Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Gastroenterologie & Hepatologie, Psychologe, Notarzt
Bleichergasse 8/15, 1090 Wien
healthconcept.at
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Inhaltsverzeichnis

Im traditionellen Ayurveda (indisches Medizinsystem) wird die Schlafbeere als Heilpflanze genutzt. In Europa kamen in den letzten Jahren immer mehr Ashwagandha-Produkte in den Handel. Ihre Marktbedeutung ist gewachsen, was insbesondere auch auf Influencerwerbung in den Sozialen Medien zurückzuführen ist. Der Pflanze werden beruhigende, lebensverlängernde und verjüngende Eigenschaften zugeschrieben. Zur tatsächlichen Wirkung lassen sich jedoch keine verlässlichen Aussagen machen.

Zusammenfassung

  • Ashwagandha wird in der traditionellen indischen Medizin als Heilpflanze verwendet.  
  • Die Marktbedeutung von Ashwaganda-Nahrungsergänzungsmitteln ist in Europa in den letzten Jahren stark gewachsen. 
  • Die Pflanze enthält Wirkstoffe, die den Körper dabei unterstützen, besser mit Stress und Belastung umzugehen. 
  • Wissenschaftlich klar belegt sind die Wirkungen jedoch nicht. Zum Wirkmechanismus liegen keine gesicherten Daten vor. 
  • Wichtig zu beachten ist, dass Nahrungsergänzungsmittel keine Arzneimittel sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Deutschland mahnt zu Vorsicht.

Ashwagandha im Überblick

Art Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse
Wirkung Stressreduktion, neuroprotektive Effekte, Hilfe bei Schlafstörungen, Entzündungen, Angstzuständen, Stärkung des Immunsystems
Anwendung Nahrungsergänzungsmittel, als Tees, Kapseln Tropfen, Ölen, Tinkturen
Risiken/
Nebenwirkungen
Wirkungen sind wissenschaftlich nicht klar belegt. Es kann zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwindel oder Hautreaktionen kommen.
Kosten Variiert je nach Produkt, Menge, Qualität

FAQ (Häufige Fragen)

Was ist die Wirkung von Ashwagandha?

Die Wurzeln, Blätter und Früchte der Pflanze enthalten Wirkstoffe, die zu den sogenannten Adaptogenen zählen – pflanzliche Stoffe, die unterstützend wirken sollen, damit der Körper besser mit Stress und Belastung umgehen kann.

Warum sollte man Ashwagandha nicht einnehmen?

Im Gegensatz zu zugelassenen Arzneimitteln unterliegen Nahrungsergänzungsmittel gesetzlich dem Lebensmittelrecht. Das bedeutet, dass der tatsächliche Gehalt an aktiven Wirkstoffen (z.B. Withanoliden) von Charge zu Charge extrem schwanken kann. Es gibt nicht ausreichend Studien zu Ashwagandha. Zudem sind sie schwer vergleichbar. Viele Wirkungen, die von Influencern betont werden, können gleichzeitig auch riskant sein.

Sollte man jeden Tag Ashwagandha nehmen?

Um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren, sollte die genaue Dosierung beachtet werden: Als Tagesdosis empfohlen sind maximal 3 Gramm Ashwagandha oder maximal 10 Milligramm Withanolide. Generell sollte aber vor der Einnahme auf jeden Fall mit einer Ärzt:in Rücksprache gehalten werden.

Ashwagandha ist eine Pflanze, die zur Familie der Nachtschattengewächse gehört und vor allem in Indien verbreitet ist. Sie wird aber auch in tropischen und subtropischen Regionen in Asien, Afrika oder Europa kultiviert. Häufig wächst sie auf trockenem, steinigem Boden und kann eine Höhe zwischen 30 und (unter idealen Bedingungen) 150 cm erreichen. Ihre Blüten sind klein, glockenförmig und grün. Zudem besitzt sie auffällige kugelförmige, rote Beeren.

Wissenschaftlich bekannt ist sie auch unter dem Namen Withania somnifera. Sie wird aber auch als Schlafbeere, indischer Ginseng oder Winterkirsche bezeichnet.

Die Wurzeln, Blätter und Früchte der Pflanze enthalten Wirkstoffe, die zu den sogenannten Adaptogenen zählen – pflanzliche Stoffe, die unterstützend wirken sollen, damit der Körper besser mit Stress und Belastung umgehen kann. Am häufigsten verwendet werden Wurzel und Wurzelextrakte.

Zu den Wirkstoffen der Ashwagandha gehören:

  • Withanolide: Darunter Withanolid A, der die Bildung von Transkriptionsfaktoren hemmt und Withaferin A und Withanolid D, die die Rezeptoren für Neurotransmitter beeinflussen.
  • Withanolidglycoside (Withanoside und Sitoindoside): sollen eine Wirkung gegen Alzheimer, Stress sowie eine neuroprotektive Wirkung aufzeigen
  • Alkaloide: haben unterschiedliche chemische Strukturen und demnach auch unterschiedliche Wirkungen im Körper. Primär beeinflussen sie das zentrale Nervensystem, Herz-Kreislauf-System oder Muskeln.

Zudem konnte in den Wurzeln Flavonoide, Stärke, reduzierende Zucker und weitere Stoffe nachgewiesen werden. Zum Wirkmechanismus liegen bisher keine gesicherten Daten vor. Wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit dem therapeutischen Potenzial der Pflanze – besonders im Bereich Stressreduktion und neuroprotektive Effekte. Seitens der Forschung versucht man herauszufinden, ob die Wirkstoffe der Schlafbeere auch potenziell gegen Demenz und bestimmte Krebsarten eingesetzt werden könnten.

Ashwagandha kommt in der traditionellen indischen Medizin unter anderem zur Behandlung von Bronchitis, Dyspepsie, Impotenz, Krätze (Scabies), Geschwüren sowie möglicherweise auch zur Abtreibung zum Einsatz, während es in der traditionellen chinesischen Medizin als Schmerzmittel, Fiebersenker und Malariamittel eingesetzt wird. 

Zu den aktuellen Anwendungsgebieten zählen:

  • Reduktion von Stress
  • Schlafstörungen
  • Entzündungen
  • Angstzustände
  • Stärkung des Immunsystems

Wurzeln und Blätter der Pflanze werden getrocknet und zu Pulver verarbeitet. Es werden Tees und Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln oder Tropfen hergestellt. Auch als Öle und Tinkturen ist Ashwagandha erhältlich. 

Aufgrund des zunehmenden Interesses der Verbraucher:innen an Themen wie Longevity, Stressabbau, verbesserter Schlaf, geistige Leistungssteigerung und natürlichen Produkten ist der Ashwagandha-Markt in Europa in den letzten Jahren stark gewachsen. Wissenschaftlich klar belegt sind diese Wirkungen jedoch nicht. Häufig handelt es sich mehr um Produktmarketing.

Wichtig zu betonen ist: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Anders als bei Arzneimitteln ist für Nahrungsergänzungsmittel nicht vorgeschrieben, welcher Teil der Pflanze oder welche Extrakte verwendet werden müssen. Die Zutaten bzw. Inhaltsstoffe können je nach Produkt ganz unterschiedlich sein. Wie viel Wirkstoff enthalten ist, hängt von der Herstellung und den Lagerbedingungen ab. Es gibt nicht ausreichend Studien zu Ashwagandha. Zudem sind sie schwer vergleichbar.

Viele Wirkungen, die von Influencern betont werden, können gleichzeitig auch riskant sein, wie z.B. die Auswirkungen auf das Immunsystem, auf Schilddrüsenhormone, auf die männliche Fruchtbarkeit (da es den Testosteronspiegel beeinflussen kann).  

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Deutschland spricht sich für Warnhinweise bei Ashwagandha-Präparaten aus. Da es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwindel oder Hautreaktionen kommen kann, rät das BfR allgemein zur Vorsicht. Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich, z.B. mit Arzneimitteln, die den Blutdruck senken oder das Immunsystem regulieren (Immunsuppressiva). Nimmt man Beruhigungsmittel, Schlafmittel oder Antiepileptika ein, sollte man nicht zu Ashwagandha greifen. 

Folgende Personengruppen sollten auf Ashwaghanda-Produkte verzichten:

  • Schwangere und Stillende bzw. auch Frauen mit Kinderwunsch
  • Kinder
  • Menschen mit einer Lebererkrankung
  • Menschen mit Schilddrüsen- oder Herzerkrankung
  • Vorsicht gilt auch für Diabetiker:innen: Das Präparat könnte den Blutzucker zu stark senken
OA Ing. Mag. Dr. med. univ. Christian Kienbacher, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Gastroenterologie & Hepatologie, Psychologe, Notarzt

In der klinischen Praxis sehen wir zunehmend Fälle von pflanzeninduzierten Leberschäden (sogenannte DILI – Drug-Induced Liver Injury) durch Ashwagandha. Diese reichen von asymptomatischen Erhöhungen der Leberwerte über ausgeprägte Cholestasen (Gallenstau mit Gelbsucht und starkem Juckreiz) bis hin zu Einzelfällen von akutem Leberversagen. Somit ist ein erweiterter Hinweis auf durch derartige Präparate nicht nur als problematisch bei bestehenden Lebererkrankungen/Leberwerten, sondern auch eine Lebererkrankung/Leberschaden auslösende Problematik.

OA Ing. Mag. Dr. med. univ. Christian Kienbacher, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Gastroenterologie & Hepatologie, Psychologe, Notarzt

OA Ing. Mag. Dr. Kienbacher: Der Trend zu pflanzlichen Heilmitteln (Phytotherapie) und Nahrungsergänzungsmitteln ist ungebrochen. Als Ärzt:innen sowie Gesundheitsmedien sollten wir diesen Wunsch nach sanfter, natürlicher Unterstützung ernst nehmen und Patient:innen auf Augenhöhe begegnen. Gleichzeitig müssen wir jedoch über fundamentale Risiken aufklären, die bei frei verkäuflichen Präparaten oft übersehen werden:

Keine Vernachlässigung der schulmedizinischen Diagnostik
  • Verschleppung von Diagnosen: Die Selbstmedikation mit vermeintlich harmlosen Kräutern bei Symptomen wie chronischer Müdigkeit, Bauchschmerzen oder Schlafstörungen birgt die Gefahr, dass schwerwiegende organische Ursachen (z.B. chronische Hepatitiden, Malignome oder endokrine Störungen) zu spät erkannt werden.
  • Fehlende kausale Therapie: Symptome werden durch Alternativtherapien oft nur oberflächlich kaschiert, anstatt die zugrundeliegende Erkrankung leitliniengerecht und effektiv zu behandeln.
Das Risiko der Toxizität ("Natürlich bedeutet nicht automatisch sicher")
  • Intrinsische Toxizität: Viele Pflanzen bilden von Natur aus potente Wirkstoffe (wie z.B. Alkaloide in Ashwagandha), um Fressfeinde abzuwehren. Diese Stoffe können in konzentrierter Form (besonders in Extrakten) die Leberzellen direkt schädigen oder immunologische Reaktionen auslösen.
  • Mangelnde Standardisierung: Im Gegensatz zu zugelassenen Arzneimitteln unterliegen Nahrungsergänzungsmittel gesetzlich dem Lebensmittelrecht. Das bedeutet, dass der tatsächliche Gehalt an aktiven Wirkstoffen (z.B. Withanoliden) von Charge zu Charge extrem schwanken kann.
  • Zusatzstoffe und Verunreinigungen: Bei Online-Käufen aus dem Nicht-EU-Ausland besteht ein reales Risiko für Verunreinigungen. Dazu gehören Schwermetalle (Blei, Quecksilber), Pestizide, Schimmelpilze oder die illegale Beimischung von synthetischen Arzneistoffen (z.B. Kortison oder Schmerzmittel), um eine schnelle Wirkung vorzutäuschen.
Unvorhersehbare Wechselwirkungen (Interaktionen)
  • Enzyminduktion und -inhibition: Viele pflanzliche Substanzen werden über dieselben Enzymsysteme der Leber (z.B. Cytochrom P450) abgebaut wie klassische Medikamente. Dies kann die Wirkung von lebenswichtigen Arzneimitteln (wie Blutverdünnern, Herzmedikamenten oder Immunsuppressiva) entweder gefährlich abschwächen oder toxisch verstärken.
  • Wirkungsverstärkung: Wie im Artikel richtig erwähnt, kann die Kombination mit Beruhigungs-, Schlaf- oder Blutdruckmitteln zu unvorhersehbaren, synergistischen Effekten führen.

Jede therapeutische Entscheidung sowie die Abklärung neuer oder anhaltender Beschwerden sollte immer auf Basis einer fundierten ärztlichen Diagnostik und in Rücksprache mit der behandelnden Ärzt:in erfolgen. Nur so lassen sich Kontraindikationen ausschließen, Wechselwirkungen vermeiden und eine sichere, effektive Behandlung gewährleisten.

  • Um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren, sollte die genaue Dosierung beachtet werden: Als Tagesdosis empfohlen sind maximal 3 Gramm Ashwagandha oder maximal 10 Milligramm Withanolide.
  • In der Zutatenliste sollte genau angeführt sein, welche Pflanzenteile enthalten sind. Nur "Ashwagandha-Pulver" reicht nicht aus.
  • Ist ein Warnhinweis am Produkt angebracht? Ist kein Hinweis zu finden, spricht das nicht für einen verantwortungsvollen Hersteller.
  • Hinterfragen Sie Werbeaussagen kritisch – passende Health Claims können sich auf weitere Zutaten (z.B. Vitamine) beziehen, für welche diese Claims zugelassen sind.
  • Generell ist es auf jeden Fall empfehlenswert, vor der Einnahme mit einer Ärzt:in Rücksprache zu halten. 

In Österreich ist Ashwagandha vor allem online in Apotheken, Shops für Nahrungsergänzungsmittel sowie teilweise auch in Drogerien erhältlich. Der Preis variiert je nach Produkt, Menge und Qualität und liegt geschätzt im Durchschnitt bei 25-30€.


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